Nachlässigkeit wohl Ursache der Explosion bei Toulouse
Die Explosion in einer Chemie-Fabrik bei Toulouse vor vier Tagen ist wahrscheinlich auf Nachlässigkeit und verrottete Anlagen in dem Nitrat-Lager zurückzuführen. Die Staatsanwaltschaft in Toulouse hat nach Angaben vom Freitag ein Attentat ausgeschlossen. Chemische Prozesse hätten möglicherweise über Jahre eine Hitze-Quelle aufgebaut, die zu der erdbebenartigen Explosion geführt haben könnte, meinte Staatsanwalt Michel Breard. Der Fabrikdirektor Serge Biechlin hat Vorwürfe über «Nachlässigkeit» zurückgewiesen. Das explodierte Ammonium-Nitrat sei «unter normalen Bedingungen» gelagert worden, sagte er.
Die zum Konzern TotalFinaElf gehörende Chemiefabrik AZF am Rand der südfranzösischen Stadt wurde am vergangenen Freitag fast dem Erdboden gleich gemacht. Bei der Katastrophe starben mindestens 29 Menschen, 782 Personen wurden verletzt. Der Versicherungsschaden des Unglücks dürfte nach ersten Schätzungen bis zu sechs Milliarden Franc (1,8 Milliarden Mark/914 Millionen Euro) ausmachen. 10 000 Wohnungen, Schulen, Geschäfte und auch ein Krankenhaus in und um Toulouse sind zerstört oder beschädigt worden.
Aus Furcht vor weiteren Unfällen sind zwei Chemie-Fabriken in der Nähe vom AZF vorübergehend geschlossen worden. Dort wird ein Treibstoff für die Trägerrakete Ariane hergestellt und das tödliche Giftgas Phosgen für agrochemische Produkte gelagert. Auch bei Bordeaux soll eine fast 100 Jahre alte gefährliche Chemie-Fabrik geschlossen und verlagert werden.
Der grüne Umweltminister Yves Cochet hat nach einem Gespräch mit dem Chef des Ölkonzerns TotalFinaElf, Thierry Desmarest, den Wiederaufbau der Fabrik an gleicher Stelle als «undenkbar» bezeichnet. Er will ferner die Bestimmungen für Chemie-Fabriken in besiedelten Gebieten verschärfen. Desmarest nannte einen Wiederaufbau der Fabrik «verfrüht».
In den Medien haben sich Kritiken an Sicherheitsstandards und den Standorten der insgesamt 1250 besonders gefährlichen Fabriken in Frankreich verschärft, die der Seveso-Richtlinie unterliegen. Besonders Desmarest steht im Mittelpunkt der Attacken, weil sein Verhalten nach dem Untergang des von TotalFinaElf gecharterten Öltankers «Erika» im Dezember 2000 Empörung hervorgerufen hatte. Desmarest hatte zunächst jede Verantwortung für die Ölpest der «Erika» an der Atlantik-Küste zurückgewiesen.
Jetzt will der offensichtlich um sein Image bemühte Konzern, der 92 Seveso-Anlagen in Frankreich betreibt und dem die meisten Chemie- Fabriken im Land gehören, zehn Millionen Franc Hilfe für die Opfer der Katastrophe von Toulouse spenden.
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