Wie viel Mikroplastik entsteht beim Mountainbiken?
Erstmals konkrete Zahlen zum Abrieb von Mountainbike-Reifen im Gelände: Ergebnisse helfen, den globalen Mikroplastik-Kreislauf besser zu verstehen
Seit Jahren ist bekannt, dass der Abrieb von Autoreifen einen entscheidenden Teil des Mikroplastiks in der Umwelt ausmacht: Pro 100 gefahrener Kilometer werden etwa elf Gramm Mikroplastik in die Umwelt freigesetzt, was in Deutschland etwa 57 % der Mikroplastikverschmutzung durch Verkehr und etwa 35 % der gesamten Mikroplastikverschmutzung ausmacht. Das Fahrradfahren gilt dagegen als umweltfreundliche Fortbewegungsmethode und ist außerdem eine beliebte Freizeitaktivität: Insbesondere das Mountainbikefahren erfreut sich immer größerer Beliebtheit, sodass inzwischen etwa 20 % der deutschen Bevölkerung diese Sportart ausübt – in teilweise sogar unberührter Natur. Zu Menge und Signifikanz des Reifenabriebs beim Mountainbikefahren gab es bislang jedoch keine Daten. Für ein breiteres Verständnis der Auswirkungen des Fahrradfahrens auf unsere Umwelt haben Forschende am Lehrstuhl für Sportökologie der Universität Bayreuth nun erstmals eine Studie zum Abrieb von Mountainbike-Reifen durchgeführt.
Das Team um Doktorand Fabian Sommer stattete hierfür neun Mountainbikefahrerinnen und -fahrer mit neuen Fahrradreifen aus. Anschließend gingen die Probandinnen und Probanden ihren individuellen Fahrgewohnheiten nach und trackten die zurückgelegten Strecken per GPS. In festgelegten Abständen wurden die Fahrradreifen im Labor gewogen, um den Materialverlust und damit den Abrieb zu messen und zu dokumentieren.
Im Durchschnitt ergab sich ein Abrieb von etwa dreieinhalb Gramm pro 100 Kilometer, was einem Pro-Kopf-Abrieb von bis zu 88 Gramm jährlich entspricht. Umgerechnet auf die gesamte Mikroplastikverschmutzung in Deutschland tragen Mountainbikes somit zu weniger als einem Prozent bei. Zudem stellten die Forschenden fest, dass die Abriebrate während der ersten 500 Kilometer mit neuen Reifen höher war als nach der 500-Kilometer-Marke. Laut den Forschenden könnte dies durch die Abrundung der Kanten am Reifen und die relativ schnelle Abnutzung des überstehenden Materials aus dem Produktionsprozess – den kleinen haarartigen Strukturen – auf den neuen Reifen verursacht werden.
„Unsere Studie liefert erstmals belastbare Zahlen zur Reifenabriebmenge von Mountainbikes unter realen Nutzungsbedingungen. Die Ergebnisse zeigen, dass Mountainbike-Reifen zwar direkt in der Natur Mikroplastik freisetzen, die Menge jedoch im Vergleich zu motorisierten Fahrzeugen deutlich geringer ausfällt. Das unterstreicht einen weiteren Vorteil des Fahrrads als nachhaltige Fortbewegungsmethode“, sagt Sommer.
Im Rahmen der weiteren Forschung wird nun eine zweite Studie durchgeführt, die sich auf Reifen aus dem Bereich Rennrad, Gravel und Mountainbike/E-Mountainbike konzentriert. Diese Studie soll zusätzliche Erkenntnisse über die Abriebsdynamik und -rate dieser Reifentypen liefern. Darüber hinaus werden Umweltproben zusammen mit dem Labor von Prof. Dr. Christian Laforsch vom Sonderforschungsbereich 1357 Mikroplastik der Universität Bayreuth analysiert, um die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Umwelt besser zu verstehen.
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